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Impuls von Diakon Denkler

„Sind Sie Herr Sauer?“
 
OK, Sauer ist kein so außergewöhnlicher Name und doch werden die Allerwenigsten von Ihnen, liebe Leser, diese Frage mit einem „JA“ beantworten. Und warum stelle ich Ihnen diese Frage überhaupt?  Ich stelle Ihnen diese Frage, weil sie vor einiger Zeit mir gestellt worden ist. Und obwohl diese Frage so harmlos klingt, hat sie mich lange beschäftigt. Lassen Sie mich kurz ausholen. Während meiner Ausbildung zum Diakon gehörte ich einem Kurs von insgesamt vier Männern an. Regelmäßig trafen wir uns, um gemeinsam auf unseren Dienst vorbereitet zu werden. Wir lernten uns im Laufe der Jahre gut kennen und wurden Freunde. Als mir die oben genannte Frage gestellt wurde, saß ich im Rahmen eines unserer Ausbildungswochenenden alleine in der Bibliothek des Hauses und las. Unerwartet kam die Ordensschwester, die am Empfang und somit auch am Telefon Dienst tat herein. Sie fragte mich: „Sind Sie Herr Sauer?“ Ich schaute kurz von meinem Buch auf und sagte dann: „Nein!“ Die Ordensschwester gab sich mit meiner Antwort zufrieden, ging und suchte weiter. Sie war zufrieden, aber ich merkte, wie mich diese simple und einfache Frage unzufrieden machte. Die Frage hat mich zum Nachdenken gebracht! Warum? Herr Sauer gehörte zu meinem Kurs, dass heißt, ich kannte ihn gut. Vielleicht war es genau das. Ich kannte Herrn Sauer und schätze ihn bis heute sehr. Vielleicht hat mich die Frage, die ich verneinen musste, deshalb so angerührt, weil ich gerne so ein bisschen sein wollte wie Herr Sauer. Ja, ich muss gestehen, so ein bisschen was von ihm hätte ich gern gehabt. Seine ruhige, besonne Art. Seine Gabe, sensibel und doch zielgerichtet mit Menschen Gespräche zu führen. Und im selben Moment ärgere ich mich über mich selbst. Warum schiele ich auf andere und bin neidisch auf das, was sie können. Warum freue ich mich nicht für Herrn Sauer?  Ich glaube uns Menschen geht es manchmal so. Wir sehen andere Menschen und wollen gerne so sein wie sie, wollen das haben was sie haben. Wir schielen zu schnell auf andere Menschen und vergessen dabei ganz, dass Gott jedem von uns Talente, Gaben, Fähigkeiten mit in sein Leben gegeben hat. Ich weiß, es fällt uns leichter auf andere Menschen zu schauen, als auf uns selbst. Aber denken Sie einmal nach: Vielleicht gibt es irgendwo einen Menschen in ihrer Umgebung, der gerne ein bisschen so wäre, wie Sie sind. Der gerne ein bisschen von dem könnte, was Sie gut können. 
Wir Menschen haben so unsere Schwächen, keine Frage, aber ich glaube fest daran, dass Gott jedem von uns neben den „menschlichen Schwächen“ auch Stärken mitgegeben hat. Machen Sie sich ihre persönlichen, einzigartigen Stärken immer wieder bewusst! 
 
„Sind Sie Herr Sauer?“, so lautete die Frage, die mir einst gestellt worden ist, und die ich so schlicht verneint habe. Ich habe damals mit meiner Antwort sicher nichts falsch gemacht, doch hätte ich vielleicht besser geantwortet: „Nein. Ich bin Herr Denkler!“
 
Also, wenn Sie mal wieder eher ihre Schwächen als ihre Stärken sehen und allzu gerne auf andere Menschen schielen, dann sagen Sie sich doch folgenden Satz: „Ich bin Ich! Gott hat mich so gewollt, wie ich bin! Mit meinen Schwächen, mit meinen Stärken!“ Vergessen Sie das nicht!
 
Ihnen eine gesegnete Woche!
 
Katholische Pfarrgemeinde St. Michael Diakon Ralf Denkler